Kommentar
Laser oder Linse: Ärzte spielen Risiken herunter
Jeder Hobbyfotograf kennt die Situation: Das Sujet vor der Linse ist unscharf und verschwommen. Ungefähr so sieht die Welt von stark Kurzsichtigen aus. Allerdings: Der Hobbyfotograf hat das Problem mit ein paar Handgriffen behoben. Das Auge hat aber keine Vorrichtung, mittels der sich das Manko ausgleichen lässt. Also tastet man nach dem Aufwachen zuerst nach der Brille, verrenkt sich vor dem Toilettenspiegel, um die Wimpern zu tuschen, und stolpert über herumliegendes Spielzeug. Ich weiss das: Mit Minus 6,5 Dioptrien bin ich ohne Kontaktlinsen oder Brille hilflos wie ein Baby.
Kurzsichtigkeit ist keine Krankheit, aber sie schränkt im täglichen Leben ein. Und Sehhilfen lösen das Problem nur zum Teil. Eine Brille schränkt das Sichtfeld ein und beschlägt sich, wenn man von der Kälte in einen warmen Raum tritt. Kontaktlinsen verträgt nicht jeder.
Da ist es verlockend, das Problem in zwei Sitzungen mit ein paar Laserstrahlen zu lösen. Diese Behandlung wird seit Jahren als Lösung schlechthin angepriesen. Augenärzte weisen zwar auf die Risiken hin, aber unter dem Druck, die teuren Lasergeräte zu amortisieren, spielen sie die Gefahren herunter. Auf die Möglichkeit der Implantation von Kunstlinsen, die zwar auch teuer und nicht risikolos ist, aber wenigstens rückgängig gemacht werden kann, machen sie kaum aufmerksam. Dabei gibt es diese Möglichkeit schon seit Jahren.
Versprechen sich die Augenärzte langfristig mehr Profit vom Laser oder ist es Respekt vor der erforderlichen grösseren Fingerfertigkeit bei der Implantation? Wie auch immer: Die Rechnung zahlt der Kurzsichtige, der in der Hoffnung auf ein Leben ohne Brille und Linsen den Ärzten vertraut.
Daniela Biedermann
Moderatorin Puls